Absolventinnen und Absolventen in Bau- und Umweltingenieurwissenschaften geehrt
Studium, Forschung |
Absolvent:innen und ihre Familien, Gäste und Professor:innen feierten am 10. Juli 2026 den erfolgreichen Studien- oder Promotionsabschluss am Department Civil and Environmental Engineering der TUM School of Engineering and Design. Im Rahmen der Feier fand zudem die Verleihung der Stifter-, CEE- und Lehrpreise statt, bevor die Absolventinnen und Absolventen ihre Urkunden im Rahmen einer feierlichen Zeremonie überreicht bekamen.
Verabschiedet wurden Absolventinnen und Absolventen der folgenden Studiengänge:
Bachelorstudiengänge:
- Bauingenieurwesen
- Umweltingenieurwesen
Masterstudiengänge:
- Bauingenieurwesen
- Umweltingenieurwesen
- Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen
- Ingenieur- und Hydrogeologie
- Transportation Systems
- Information Technologies for the Built Environment
- Energy Efficient and Sustainable Design and Building
Den Mauerer Söhne Preis erhielt Katharina Schmucker für ihre Bachelorarbeit “Modellierung und experimentelle Validierung eines Feder-Dämpfer-Simulationsmodells zur dynamischen Interaktion von Stampfer und Boden” aus den Händen von Prof. Dr.-Ing. Roberto Cudmani. Mit ihrer Forschung schließt sie eine wichtige Lücke an der Schnittstelle von Geotechnik, Bodendynamik und numerischer Simulation. Erstmals wendet sie das Konusmodell nach Wolf in MATLAB systematisch auf handgeführte Stampfer an und validiert die Ergebnisse erfolgreich mit realen Messdaten. Die Arbeit bildet Bewegungsgrößen sowie Bodenreaktionskräfte realitätsnah ab, zeigt präzise die Grenzen des Modells auf und leistet so einen methodisch fundierten Beitrag zur Weiterentwicklung der maschinenintegrierten Verdichtungskontrolle. Damit verbindet die herausragende Arbeit wissenschaftliche Qualität mit hoher Praxisrelevanz für effizientere, qualitätsgesicherte und ressourcenschonendere Prozesse im nachhaltigen Bauen.
Aakash Ravichandran wurde von Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Wüchner für seine Masterarbeit “Efficient Identification of Flutter Derivatives from Multi-Frequency Forced-Motion Simulations” mit dem BSR-Ingenieure-Preis ausgezeichnet. Seine Forschung liefert eine wertvolle methodische Verbesserung zur Bewertung des aeroelastischen Flatterns bei weitgespannten Brücken. Um das rechenintensive traditionelle Verfahren aus zahlreichen Einzelfrequenz-Simulationen zu optimieren, untersuchte er den Einsatz von Mehrfrequenz-Schwingungen in URANS-CFD-Simulationen. Nach einer Signal- und Nichtlinearitätsanalyse des Šarkić-Brückendecks entwickelte er umfassende Richtlinien zur effizienten Frequenz- und Parameterwahl. Die Arbeit zeigt eindrucksvoll, dass diese neuartige Mehrfrequenz-Methode die Rechenzeit um bis zu 60 Prozent reduziert, ohne die Genauigkeit maßgeblich zu beeinträchtigen. Damit verbindet die methodisch tiefgehende Arbeit ein herausragendes Verständnis der Fluid-Struktur-Interaktion (FSI) mit direktem wissenschaftlichen und praktischen Nutzen für die aerodynamische Brückenoptimierung.
Mit dem SSF-Preis wurde Marlene Rott für ihre Bachelorarbeit “Numerische Untersuchungen der Spannungsintensitätsfaktoren in Abaqus” geehrt. Vor dem Hintergrund alternder Verkehrsinfrastruktur untersucht ihre Arbeit ein bruchmechanisches Konzept zur Restnutzungsdauerberechnung geschweißter Eisenbahnbrücken. Mittels der erweiterten Finite-Elemente-Methode (XFEM) analysierte sie schrittweise die Spannungsintensitätsfaktoren von der einfachen Scheibe bis zum komplexen, realen Brückendetail. Während das Verfahren bei einfachen Geometrien Abweichungen von nur rund einem Prozent zur analytischen Referenzlösung aufwies, legte die Arbeit bei komplexen Schweißdetails deutliche Konvergenzgrenzen der XFEM-Implementierung in Abaqus offen. Die Bachelorarbeit zeichnet sich durch außergewöhnliche Selbstständigkeit und methodische Tiefe aus; Marlene Rott arbeitete sich weit über das Bachelorstudium hinaus in die erweiterte Bruchmechanik ein und lieferte eine wertvolle, kritisch-wissenschaftliche Einordnung zur Anwendbarkeit numerischer Simulationsverfahren in der Ingenieurpraxis.
Der CEE-Department-Preis ging an Fiona Arnet für ihre Masterarbeit „Accessibility Effects of Night Trains - A Case Study for Bavaria“. Vor dem Hintergrund der klimapolitischen Bedeutung nachhaltiger Mobilität untersuchte sie mittels Discrete-Choice-Experimenten und statistischen Modellen das Marktpotenzial sowie den sozioökonomischen Nutzen von Nachtzügen. Ihre Arbeit weist eine erhebliche latente Nachfrage nach und belegt einen massiven gesellschaftlichen Mehrwert, der über aktuellen Subventionsniveaus liegt. Die herausragende wissenschaftliche Qualität ihrer Arbeit führte bereits zu drei Fachpublikationen und Einladungen zu führenden internationalen Verkehrskonferenzen.
Ein weiterer CEE-Department-Preis wurde an Tobias Lattermann für seine Masterarbeit „Digitalisierung im konventionellen Tunnelbau Faktenmodellerstellung mittels digitaler Ortsbrustkartierungen“ verliehen. Die Arbeit betritt digitales Neuland im Tunnelbau: Er entwickelte eine baustellentaugliche, automatisierte Methode, die papiergebundene oder digitale Ortsbrustkartierungen mittels eines neuartigen Algorithmus direkt in ein parametrisches, 3D-BIM-fähiges Faktenmodell des Untergrunds überführt. Das Verfahren, welches er direkt beim Druckluftvortrieb der 2. S-Bahn-Stammstrecke in München validierte, ermöglicht eine hocheffiziente, baubegleitende Modellierung für zukünftige Tunnelprojekte.
Ebenfalls mit dem CEE-Department-Preis ausgezeichnet wurde Dr.-Ing. Simon von Wenczowski für seine Dissertation „Flow and transport at the interface between a turbulent flow and a porous medium“. Mittels porenaufgelöster numerischer Simulationen untersuchte er Strömungs- und Stoffaustauschprozesse zwischen Fließgewässern und Sedimentschichten. Seine Forschung liefert hochpräzise Datensätze, eine mathematisch rigorose Herleitung der gemittelten Transportgleichungen sowie eine innovative Analyse von Absorptionsvorgängen. Mit einer konsistenten Definition der Grenzflächenposition gelingt ihm zudem die Lösung eines lang diskutierten, grundlegenden Problems der Strömungsmechanik.
Mit dem Karl-Heinz-Bauer-Preis würdigte Oliver Fischer Fabian Rauch für seine Promotion “In-Situ Observation and Simulation of Internal Forces in Segmental Linings”. Angesichts der Tatsache, dass über 75 Prozent aller modernen Tunnel im maschinellen Vortrieb entstehen, widmet sich die Arbeit den bisher kaum prognostizierbaren realen Beanspruchungen von Tübbingtunnelschalen. Im Rahmen eines Langzeit-Strukturmonitorings beim Neubau der U-Bahn-Linie U5 in Frankfurt am Main entwickelte Fabian Rauch eine ganzheitliche Methodik zur Rückrechnung realer Schnittgrößen aus Dehnungs- und Temperaturmessungen. Durch den Vergleich mit gängigen Simulationsmodellen deckte er auf, dass maßgebende Spannungen in der Praxis oft unterschätzt werden, was er unter anderem auf unvermeidbare Bauungenauigkeiten in den Längsfugen zurückführte. Für diese komplexen Ringbauungenauigkeiten entwickelte er eine effiziente, praxistaugliche Simulationsmethodik. Die mit summa cum laude ausgezeichnete Dissertation schließt mit konkreten Anwendungsempfehlungen für zukünftige Monitoringprojekte und schlägt damit eine einzigartige Brücke zwischen fundierter Spitzenforschung und unmittelbarer bauindustrieller Praxis.
Den Umweltpreis Mall bekamen Nicole Leitz Echeverria für ihre Bachelorarbeit “Potential Analysis of Ammonia Streams from Wastewater Treatment for Electricity Generation and NOₓ Emission Reduction”. Ihre Arbeit zeigt auf, wie Kläranlagen durch die kombinierte Nutzung von Methan aus der Schlammvergärung und Ammonium aus Zentratwasser zu energieeffizienten, ressourcenorientierten Infrastrukturen weiterentwickelt werden können. Die systematische Analyse von zehn Kläranlagen belegt, dass dafür ausreichend Stoffmengen verfügbar sind, um das Ammonium vor Ort als internes Reduktionsmittel zur NOx-Minderung in SCR-Systemen oder als Co-Brennstoff einzusetzen. Damit liefert die Arbeit praxisnahe Perspektiven zur Senkung von Energiebedarf, Betriebskosten sowie Emissionen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft in der Abwasserwirtschaft.
Ein weiterer Umweltpreis Mall ging an Dominik Meier für seine Masterarbeit “Impact of biochar on dissolved heavy metals and biocides retention and soil properties in bioretention systems”. Im Rahmen der wasserbewussten Siedlungsplanung untersuchte er mittels gründlich strukturierter Laborexperimente, wie der Zusatz von Pflanzenkohle in Bodensubstraten den Rückhalt gelöster Schadstoffe in Versickerungsmulden optimiert. Seine Säulenversuche zeigten eine Rückhalteeffizienz von über 98 Prozent für Schwermetalle sowie über 99 Prozent für organische Biozide (wie Mecoprop), ohne die hydraulischen Versickerungseigenschaften der Mulden signifikant zu beeinträchtigen. Die mit der Note 1,0 bewertete Arbeit liefert damit einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zum nachhaltigen Grundwasserschutz in urbanen Räumen.
Ebenfalls mit dem Umweltpreis Mall ausgezeichnet wurde Sebastian Knoll für seine Promotion “Circular Substrates: Reusing Demolition Waste for Sustainable Tree Planting in Urban Green Infrastructure”. In seiner interdisziplinären und innovativen Dissertation untersucht er die Wiederverwendung von mineralischen Bau- und Abbruchabfällen als Zusatzstoff für urbane Baumsubstrate. Das primäre Ziel der Arbeit liegt in der Erhöhung der Wasserspeicherkapazität, um Stadtbäumen auch über lange Trockenzeiten hinweg das Überleben im stark verdichteten Siedlungsraum zu sichern. Als weitere Innovation erprobte er die entwickelten Substrate für die Reinigung verunreinigter Verkehrsflächenabflüsse. Dies ermöglicht es, Straßenabwässer schadlos vor Ort zu bewirtschaften, das Grundwasser zu schützen und gleichzeitig die Wasserversorgung der Bäume zu verbessern. Dadurch können diese ihre wichtigen Ökosystemleistungen wie Verdunstung, Beschattung und Kohlenstoffspeicherung optimal entfalten und den lokalen Wasserhaushalt stärken. Die herausragende, kumulative Arbeit basiert auf drei Erstautor-Publikationen und wurde aufgrund des hohen Innovationsgrads sowie der großen Eigenständigkeit bei Labor- und Pilotanlagenversuchen mit summa cum laudeausgezeichnet.