Hörsaal unterm Himmel: Bilder der Sonnenfinsternis mit wissenschaftlichem Mehrwert
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Ein besonderes Highlight erlebten die Teilnehmenden des Wahlfachs „Einführung in die Astrophotographie“ gestern anlässlich der partiellen Sonnenfinsternis. Gemeinsam beobachteten und fotografierten die Studierenden das seltene Himmelsereignis. Die dabei entstandenen Aufnahmen verdeutlichen eindrucksvoll, wie eng faszinierende Naturerlebnisse und wissenschaftliche Datenerhebung miteinander verknüpft sein können. “Die Sonnenfinsternis gibt uns die Gelegenheit, wissenschaftliche Daten zu sammeln und die Grenzen unseres Equipments zu testen. In der Zusammenarbeit mit anderen Professuren geht es auch um die Vorbereitung von größeren Projekten in den nächsten Jahren”, erklärt Kempen.
Wenn die Sonne untergeht, beginnt für die Lerngruppe ein außergewöhnlicher Teil ihres Studiums. Statt im Hörsaal stehen sie am Teleskop, richten Kameras auf den Nachthimmel und erfassen Daten, die weit über spektakuläre Bilder hinausgehen. Denn im Mittelpunkt des Seminars steht die Frage, wie astronomische Beobachtungen für wissenschaftliche Anwendungen genutzt werden können.
Friedrich Kempen studiert derzeit nach seinem Bachelor-Abschluss Aerospace den Master-Studiengang Aerospace an der TUM. In der Lehrveranstaltung verbindet er seine Begeisterung für Astrofotografie mit aktueller Forschung und vermittelt den Studierenden praxisnah, wie professionelle Erd- und Himmelsbeobachtungen in der Geodäsie realisiert werden. "Mit Hobbyastronomie und einem eigenen Teleskop fing es zu Schulzeiten an. Über den Studierenden-Club WARR Move bin ich auf das Seminar für Astrofotografie gestoßen und habe seither vor allem Asteroiden beobachtet. Im Astronomieclub erfuhr ich von einer Stelle als Studentische Hilfskraft und unterstütze seit 2023 bei der Nutzung und Wartung des Observatoriums am TUM-Campus in der Münchner Innenstadt und in den Sommersemestern halte ich einen Teil des Seminars", erzählt Kempen über seinen Werdegang.
Die Teilnehmenden lernen die technischen und wissenschaftlichen Grundlagen von Fotografie und Astronomie kennen: “Von der Bahn- und Rotationsbestimmung von Asteroiden über die Beobachtung von Sonnenflecken und Saturnmonden bis hin zur DeepSky-Astrofotografie, also Objekten außerhalb des Sonnensystems, erhalten die Studierenden vielfältige Einblicke. Ungeplante Zielobjekte, etwa Meteore wie die Perseiden oder der gelegentliche Komet, typische Unplanmäßigkeiten von Wind und Wetter und auch Fehlfunktionen unserer Ausrüstung halten uns immer auf Trab. Alle lernen auch viel Geduld und Durchhaltevermögen”, sagt Kempen.
Die Studierenden definieren im Seminar eigenständig eine Forschungsfrage, recherchieren den aktuellen Stand der Wissenschaft und wenden Kenntnisse aus ihrem bisherigen Studium auf eine konkrete Problemstellung an. Ziel ist es, wissenschaftliche und technische Anforderungen systematisch zu analysieren, zu bewerten und in einem Projekt umzusetzen. Dabei wird schnell deutlich, dass erfolgreiche astronomische Beobachtungen weit mehr erfordern als technisches Know-how. Der Betrieb eines Teleskops ist Teamarbeit. Die Studierenden organisieren sich in Projektgruppen, bündeln unterschiedliche Kompetenzen und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze. Regelmäßige Treffen mit den Lehrenden begleiten den Projektfortschritt und bieten Gelegenheit, die nächsten Entwicklungsschritte zu diskutieren.
Das Wahlfach richtet sich grundsätzlich an Studierende aller Fachrichtungen. Empfohlen werden jedoch grundlegende Kenntnisse in Mathematik, Physik und Ingenieurwissenschaften, wie sie typischerweise in einem Bachelorstudium der Ingenieurwissenschaften vermittelt werden. Für die erfolgreiche Teilnahme erwerben die Studierenden drei ECTS-Punkte. Den Abschluss bildet eine mindestens 30-minütige Präsentation, in der die Teams ihre Forschungsfrage, ihre Vorgehensweise sowie die wissenschaftlichen und technischen Ergebnisse ihres Projekts vorstellen.
Damit eröffnet das Seminar einen einzigartigen Zugang zur Astronomie: Der Nachthimmel wird nicht nur zum faszinierenden Beobachtungsobjekt, sondern zum Labor unter freiem Himmel.