Mit Tech Stack die Erde beobachten: Bachelor Geodesy and Earth Observation neu aufgestellt
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Die TUM School of Engineering and Design (TUM ED) bietet ab dem Wintersemester 2026/2027 den aktualisierten Bachelor-Studiengang Geodesy and Earth Observation an. Wir haben mit Studienfachberater Felix Müller über das Geodäsie-Studium, Karrierewege und seine eigene wissenschaftliche Laufbahn gesprochen.
Felix, was ist eigentlich Geodäsie?
Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet “die Erde teilen”. Geodäsie ist die Wissenschaft vom präzisen Messen, Modellieren und Analysieren der Erde und des erdnahen Weltraums. Das Themenfeld „Erdbeobachtung“ ist daher sehr eng mit dem Begriff „Geodäsie“ verwoben.
Um was geht es beim Bachelor-Studiengang Geodesy and Earth Observation an der TUM School of Engineering and Design (TUM ED)?
Der Bachelor-Studiengang Geodesy and Earth Observation an der TUM ED verbindet Mathematik, Informatik, Physik und Umweltfragen. Wer bei uns Geodäsie studiert, beobachtet, misst, versteht und gestaltet unseren Planeten. Für die Erdbeobachtung entwickeln und nutzen wir Sensoren, Satelliten und Drohnen. Wir planen ganze Satellitenmissionen, um Veränderungen sichtbar zu machen. Im Studium verbinden wir beides mit Informatik, Datenanalyse und KI für Anwendungen von Klimaforschung bis Navigation.
Wie vermessen Satelliten unsere Erde?
Satelliten „sehen“ auf die Erde mit hochpräzisen Sensoren, etwa Radar, Laser oder multispektralen Kameras. Sie messen Entfernungen, Bewegungen und Veränderungen bis auf wenige Millimeter genau. So erkennen wir zum Beispiel, wie sich Gletscher bewegen, Städte wachsen oder der Meeresspiegel steigt. Geodäsie sorgt dafür, dass diese Daten exakt verortet und richtig interpretiert werden.
In der Lehre sprecht ihr oft von TUM-Studierenden als „Digital Explorers“. Woher kommt das?
Unsere Studierenden erforschen die Erde digital statt mit Kompass: mit Satellitendaten, Algorithmen und Modellen – manchmal „von der Stange“, manchmal selbst entwickelt. Sie entdecken Muster im Klimasystem, analysieren Naturgefahren oder entwickeln smarte Karten. Das ist Entdecken mit Impact – technologisch, gesellschaftlich und nachhaltig.
Welche Fragen an die Welt kann ich nach dem Studium beantworten?
Das Themenspektrum ist riesig, da kommen einige Fragen und Antworten zusammen: Wie schnell schmilzt das Eis in der Arktis? Wo drohen Erdrutsche oder Überschwemmungen? Wie können Städte klimafreundlicher geplant werden? Welche Positionierungssysteme und Navigationsverfahren lassen autonome Fahrzeuge sicherer steuern? Welchen Wert haben das Haus und das Grundstück, auf dem es steht? Kurz: Du hilfst, globale Herausforderungen unserer Umwelt datenbasiert und effizient zu lösen. Beispielsweise in Geodynamik und Klimaforschung, Grundstückswertermittlung und Landentwicklung, in der Industrievermessung zum Beispiel bei einem Tunnelbauprojekt, oder mit Hilfe von 3D-Visualisierungen von Städten und Navigationssystemen im Verkehr.
Weshalb würdest du den Studiengang empfehlen?
Geodäsie und Erdbeobachtung ist ein äußerst vielseitiges Fach, das in der Wissenschaft und Praxis sehr gute Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Unsere Studierenden schätzen besonders die interdisziplinäre Arbeit. Das Geodäsie-Studium ermöglicht vor allem eine sinnstiftende Tätigkeit: Es ist eine Kombination aus Technologie, Nachhaltigkeit und globaler Wirksamkeit. Geodät:innen schaffen Lösungen und Erkenntnisse für die gesellschaftliche Herausforderungen.
Für wen ist das Studium genau das richtige?
Für alle, die Technik sinnvoll einsetzen wollen, neugierig auf unseren Planeten sind, gerne analytisch denken und Lust haben, Zukunft aktiv mitzugestalten. Oder anders gesagt: für alle Digital Explorer, die die Erde verstehen wollen, um sie besser zu schützen.
Muss ich ein Mathe- oder Physik-Genie sein?
Mathe und Physik sind wichtig – und Neugier, Teamgeist und Gestaltungswille genauso. An der TUM ED holen die Lehrenden Studierende gut ab – mit Übungsgruppen und persönlicher Betreuung in kleinen Gruppen. Viele merken erst im Studium, wie spannend Mathematik oder Physik sind, um die Erde besser zu verstehen.
Welche Berufe kann ich mit einem Geodäsie-Studium ausüben?
Die Bandbreite der Tätigkeitsfelder ist groß. Unsere Absolvent:innen arbeiten zum Beispiel in der Klimaforschung, im Ingenieurwesen für Satelliten- und Raumfahrtprojekte, als Geodaten-Expert:innen, in Vermessungsbüros oder als Data Scientists für Umweltdaten. Gefragt sind sie bei Arbeitgebern aus Industrie und Forschung, Ingenieur- und Planungsbüros, Energieversorgungs- und Automobilunternehmen, Raumfahrtagenturen, Tech‑Firmen, Start-ups, Kommunen, Behörden und NGOs – in Deutschland und weltweit.
Warum ist die TUM ein besonders guter Ort für ein Geodäsie-Studium?
Die TUM verbindet Spitzenforschung mit praxisnaher Lehre. Sie gehört zu Europas forschungsstärksten technischen Universitäten und weltweit zu den besten in der Fernerkundung. Für Geodäsie heißt das: eine enge Anbindung an aktuelle Satellitenmissionen, die direkte Nähe zu realen Forschungsprojekten z.B. in der Raumfahrt, modernste Rechen- und Messinfrastruktur und ein internationales, offenes Studienumfeld.
Der Bachelor-Studiengang Geodesy and Earth Observation an der TUM ED bietet exzellente Professorinnen und Professoren, ein sehr gutes Betreuungsverhältnis, eine hochmoderne Ausstattung und ein interdisziplinäres, breit gefächertes Lehrangebot – die gesamte thematische Themenbreite wird bei uns abgebildet. Und nach dem Bachelor-Abschluss können Absolvent:innen aus verschiedenen Master-Programmen im Anschluss wählen. Und ein weiterer Vorteil: Die TUM ist super in das Forschungs- und Industrieumfeld eingebunden.
Welche Lehrangebote gibt es?
Die vielfältigen Lehrveranstaltungen im Bachelor beinhalten neben Vorlesungen, Seminaren, Gruppenarbeiten und Laborprojekten auch Exkursionen und Experimente draußen. Studierende können sich nach Ihren Interessen einbringen, sei es in der Drohnenvermessung oder in interdisziplinären Teams zur Lösung einer Real World Challenge.
Wie international ist das Studium?
Die TUM ED bietet einen komplett international ausgerichteten Studiengang an: Die Lehrveranstaltungen sind auf Englisch, Studierende und Lehrende kommen aus aller Welt, wir bieten ein großartiges Netzwerk in aller Welt und Auslandssemester werden aktiv unterstützt. Earth Observation ist per Definition global – das spiegelt sich auch im Studium wider.
Wie praxisnah ist der Bachelor?
Von Anfang an arbeitest du mit echten Satellitendaten, Karten und Programmiertools. Oft führst du Messungen eigenständig durch, wertest sie aus und erstellst so deine eigenen Datensätze. Studierende lernen also die ganze Prozesskette, von der Einzelmessung bis hin zur Visualisierung. Exkursionen und Software‑Praktika sind fester Bestandteil, und Theorie und Praxis gehen Hand in Hand. Wir setzen in Forschung und Lehre modernste Präzisionsmessinstrumente ein – feine Tech Stack vom Laser-Tracker über Drohnen bis zum Laserscanner.
Was unterscheidet Geodäsie vom Geografie‑Studium?
Geodäsie ist ein Ingenieurwissenschaftliches Studium. Studierende lernen, wie man die Erde misst, modelliert und berechnet.
Welche Rolle nimmt KI in der Geodäsie ein?
Moderne geodätische Messsysteme sind autonomen Robotern gar nicht unähnlich: Sie müssen korrekte Entscheidungen treffen, um ein möglichst brauchbares Resultat zu erzeugen. Satelliten und Drohnen erzeugen Massendaten, schnell mehrere Gigabyte pro Minute. Diese Daten müssen zielsicher und präzise, aber auch effizient ausgewertet werden. Das sind nur zwei Beispiele, wofür KI auch in der Geodäsie entwickelt und eingesetzt wird. Einige Kolleg:innen haben sich daher auf „Geo-KI“ spezialisiert – deshalb kommt das Thema auch im Studium nicht zu kurz. Hier bieten vor allem Wahlmodule im Studium die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen im Bereich KI und Machine-Learning anhand geodätischer Fragestellungen zu vermitteln.
Du hast selbst an der TUM Geodäsie studiert: Was hat dir besonders am Studium gefallen? Und an welchem Thema forschst du?
Ich startete im Jahr 2009 meinen Bachelor in Geodäsie und schloss 2021 meine Promotion an der TUM ab. Besonders begeistert mich, dass unsere Universität thematisch so breit aufgestellt ist. Mein Spezialgebiet ist die Satelliten-Altimetrie, die mit Hilfe von Radar- und Lasersatelliten Veränderungen unserer Meere untersucht. Mein Fokus liegt auf den polaren Ozeanen unserer Erde, die aufgrund des globalen Klimawandels durch den stetigen Rückgang des Inland- und Meereises gekennzeichnet sind. In diesen sehr abgelegenen Regionen satellitenbasierte Messdaten mit speziellen Algorithmen auszuwerten, um zuverlässige Erkenntnisse liefern zu können, fasziniert mich jeden Tag aufs Neue.
Wenn Studieninteressierte noch Fragen zum Bachelor-Studiengang Geodesy and Earth Observation an der TUM ED haben?
Schreibt eine Mail an:
Felix Müller
info.gg@ed.tum.de
Mehr Informationen zum Studium und zur Bewerbung findet ihr hier:
https://www.ed.tum.de/ed/studium/studienangebot/geodesy-and-earth-observation-b-sc/
Bewerbungszeitraum für das Wintersemester:
15. Mai – 15. Juli