Vom Hörsaal auf die Straße: Verkehrsplanung bringt Studierende vor Ort
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Wie sieht gute Verkehrsplanung in der Praxis aus? Studierende der TUM School of Engineering and Design lernen diese nicht nur in der Theorie, sie erleben Mobilität auch vor Ort. In einem interaktiven Modul fahren sie etwa mit dem Rad durch München, analysieren Wege und Infrastruktur aus verschiedenen Perspektiven und entwickeln eigene Konzepte. Wir haben mit Dominik Fuchs, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung und Mobilitätsmanager der Stadt Freising, über praxisnahe Lehre, Perspektivwechsel und die Zukunft urbaner Mobilität gesprochen.
ED: In Ihrem Kurs radeln Studierende per Fahrrad durch die Stadt. Was steckt hinter diesem Format?
Dominik Fuchs: Das Ergänzungsmodul Verkehrsplanung ist als interaktives Format für Studierende im sechsten Semester des Bau- und Umweltingenieurwesens konzipiert und wird mit fünf ECTS belohnt. Statt klassischer Rechenübungen gehen wir bewusst raus auf die Straße, in die Praxis. Gerade bei nachhaltiger Verkehrsplanung reicht es nicht, Pläne anzuschauen. Die Wahrnehmung vor Ort ist eine andere.
Wie läuft so eine Einheit konkret ab?
In einer unserer letzten Einheiten sind wir nach einer Vorlesung zu verschiedenen Arten der Radverkehrsführung – etwa Schutzstreifen, Radweg, Radfahrstreifen oder Fahrradstraße – etwa acht Kilometer durch München geradelt. An ausgewählten Punkten haben wir gestoppt und gemeinsam reflektiert: Wie hat sich die Situation angefühlt? War sie sicher? Entsprach sie den Erwartungen?
Welche Erkenntnisse haben die Studierenden gewonnen?
Viele kannten die Infrastruktur bereits, aber ihr Blick hat sich verändert. Sie haben angefangen zu überlegen, wie man Dinge verbessern könnte. Als wir eine ähnliche Exkursion in einem Modul im Masterprogramm Transport Systems gemacht haben, waren für internationale Studierende Konzepte wie Fahrradstraßen oft völlig neu.
Sie beziehen andere Perspektiven beim Mobilitätsmanagement ein. Was ist bei dem Thema wichtig?
Inklusive, gerechte Mobilität bedeutet, alle mitzudenken. Deshalb machen wir beispielsweise auch Fußverkehr-Checks, nehmen die Sicht eines Kindes ein, tragen einen sogenannten Alterssimulationsanzug oder fühlen uns in die Perspektive von Menschen mit Behinderung ein. Dieser Perspektivwechsel hilft enorm, Probleme zu erkennen.
Das Modul ist ein Wahlfach. Hat das Auswirkungen?
Ja, wir arbeiten in kleineren Gruppen und können intensiver interagieren. Die Studierenden entwickeln in Teams Konzepte für reale Straßenzüge in München - wie in der Praxis.
Sie arbeiten auch als Mobilitätsmanager. Welche Rolle spielt das für die Lehre?
Ich habe im Bachelor Umweltingenieurwesen an der TUM studiert und meinen Master in Geoinformation and Transport Technology an der KTH in Stockholm absolviert. Als Mobilitätsmanager setze ich derzeit in Freising reale Projekte um, von Radwegen bis zu Lastenradmietsystem. Und meine Dissertation dreht sich um Netzwerke, die Komunnen dabei unterstützen können, Projekte im Bereich Mobilität umzusetzen – hier schließt sich der Kreis. Diese Erfahrungen bringe ich an der TUM in die Lehre ein und mache sie dadurch greifbarer.
Was nehmen die Studierenden am meisten mit?
Praktische Erfahrungen bleiben im Gedächtnis. Wenn sie eine Situation selbst erlebt haben, verstehen sie Zusammenhänge viel besser als durch reine Theorie.
Münchner Cluster für die Zukunft der Mobilität in Metropolregionen MCube – Projekt EPURA