Leben retten per Drohne: Verkehrsministerin Schreyer besucht TUM-Studenteninitiative Horyzn

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In Deutschland erleiden jährlich 75.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Im Durchschnitt beträgt das Rettungsintervall in Bayern bis zum Eintreffen des Notarztes neun Minuten. Da aber bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand die ersten Gehirnzellen beginnen, abzusterben, liegt die Überlebenschance - wird die Reanimation erst nach neun Minuten eingeleitet - nur bei elf Prozent. Diesem Problem hat sich die Studenteninitiative Horyzn der Technischen Universität München (TUM) mit der „Mission Pulse“ angenommen. „Wir wissen: Wenn das Rettungsintervall auf vier Minuten verkürzt wird, verdreifachen sich die Überlebenschancen. Das Team der Mission Pulse arbeitet daran, das Rettungsintervall durch den Einsatz von Drohnen entsprechend zu verkürzen“, so Projektleiter Balazs Nagy.

Kerstin Schreyer with Team Horyzn on 15.01.22
Das Horyzn-Team mit Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und Prof. Dr. Gerhard Kramer, Geschäftsführender Vizepräsident für Forschung und Innovation der Technischen Universität München. Bild: Lukas Stöckle/Horyzn

Horyzn ist eine studentische Initiative, die vor zwei Jahren gegründet wurde. Aktuell haben sich 70 Studentinnen und Studenten aus 30 Ländern zusammengetan, um ihrem Ziel, an der Luft- und Raumfahrt der Zukunft zu forschen, gemeinsam nachzugehen. „Unser großer Vorteil ist die Interdisziplinarität. Oftmals hinterfragen fachfremde Kommilitoninnen und Kommilitonen die Dinge ganz anders, wodurch wir viele Bereiche neu denken und zu anderen Lösungsansätzen kommen. Unser Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass es gerade im ländlichen Raum Rettungswägen oftmals schwer haben, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand schnell zu Patientinnen und Patienten zu kommen. Drohnen haben den Vorteil, dass die Luftlinie kürzer ist, Stau für sie kein Problem darstellt und sie sich deutlich schneller bewegen können. Diese Vorteile haben uns davon überzeugt, dass Drohnen ein möglicher Weg wären, um das Rettungsintervall wirksam zu verkürzen“, so Nagy.

In der Praxis würde das so aussehen: Im Moment der Einsatzmeldung alarmiert die Leitstelle sowohl den Rettungswagen als auch die Drohne, welche sich dann beide umgehend auf den Weg machen. Mit ihrer maximalen Fluggeschwindigkeit von 125 km/h erreicht die mit einem Defibrillator ausgestattete Drohne den nicht weiter als sechs Kilometer entfernten Einsatzort innerhalb von vier Minuten. Die Drohne lässt den Defibrillator im Schwebflug mit Hilfe einer Seilwinde zu Boden. Dort wird der Defibrillator von Laien-Ersthelfer:innen entgegengenommen und beginnt mit Reanimationsmaßnahmen, bis Rettungssanitäter:innen eintreffen und übernehmen. Bis es soweit ist und die Theorie wirklich Praxis wird, dauert es noch: Für 2022 hat sich das Horyzn-Team vorgenommen, eine Zertifizierung durch das Luftfahrt-Bundesamt zu erhalten. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, Mission Pulse im Rahmen eines Pilotprojekts im Freistaat Bayern zu testen.

Die Bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Kerstin Schreyer, machte sich vom Projekt am 15. Januar 2022 persönlich in Garching ein Bild und zeigte sich begeistert: „Die Mission Pulse der Studenteninitiative Horyzn gefällt mir hervorragend. Herz-Kreislaufstillstände sind die Haupttodesursache in Deutschland und ich bin sehr davon angetan, dass sich eine Gruppe aus Studierenden aus der ganzen Welt vorgenommen hat, das zu ändern. Ich werde das Team von Horyzn im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützen, damit die Horyzn-Drohnen hoffentlich bald die ersten realen Einsätze in Bayern fliegen und Patientinnen und Patienten von dieser technischen Innovation „Made in Bavaria“ profitieren können.“