Lehrstühle

 

Die Architekturinformatik ist ein eigenständiges Lehr- und Forschungsgebiet an Architekturfakultäten und befasst sich mit der wissenschaftlichen Grundlage für die Informationsverarbeitung und Informationstechnologie in allen Bereichen, in denen Architekt*innen arbeiten. Verknüpfungen zu anderen Wissensgebieten und Fachgebieten sind ein wesentlicher Aspekt, z.B. die Beziehung zu Geographischen Informationssystemen (GIS), zur Bauinformatik, zum Hoch- und Tiefbau, zur CNC-Fertigung sowie zu spezifischen Bereichen der Computerinformatik. Ziel des Lehrstuhls für Architekturinformatik ist es, Informationstechnologie und Computer für die vielfältigen Anwendungsbereiche und Arbeitsprozesse in der Architektur kontinuierlich, offen und erweiterbar zu nutzen. In diesem Zusammenhang ist der Lehrstuhl bestrebt, die Zusammenarbeit zwischen praktizierenden Architekt*innen, Bauunternehmer*innen, Softwarehäusern und verwandten akademischen und wissenschaftlichen Bereichen zu stärken.

Der Lehrstuhl für Architekturinformatik versteht sich als ein Bereich, in dem sich Abteilungen und Institute der Architekturfakultät sowie andere Fakultäten der TUM überschneiden, z.B. durch gemeinsame Lehrveranstaltungen und Projektarbeit sowie die Beteiligung an anderen Studiengängen der TUM (z.B. Games Engineering) und durch die Betreuung von Studierenden in interdisziplinären Projekten (IDPs). Eine verbindende Funktion hat der Lehrstuhl auch in seiner Forschungsarbeit, zum Beispiel in seinen Verbundprojekten mit dem Leibniz Rechenzentrum und der Universitätsbibliothek der TU München sowie in Kooperationsprojekten und Forschungsarbeiten mit externen Partner*innen aus Forschung, Industrie und Unternehmen.

In Lehre und Forschung werden die Fakultäten für Architektur davon beeinflusst, wie das Potenzial der Informationstechnologie in der Architektur und verwandten wissenschaftlichen Disziplinen genutzt wird. Neben dem interdisziplinären Ansatz am Lehrstuhl für Architekturinformatik tragen praxisorientierte Forschung und forschungsnahe Lehre dazu bei, dass sich Forschung und Lehre gegenseitig beeinflussen. So sind die Studierenden beispielsweise im Masterstudiengang direkt in die aktuellen Forschungsaktivitäten eingebunden und können an spezifischen Aspekten der aktuellen Forschungsaktivitäten arbeiten.

 

Der Lehrstuhl Bauprozessmanagement forscht und lehrt in enger Kooperation mit Organisationswissenschaften und Management in der Bauwirtschaft. In diesem Kontext befassen er sich mit technischen, wirtschaftlichen wie auch rechtlichen Aspekten von Planungsphasen bis hin zu Baugenehmigung, Bauausführung und Abnahme.

 

Der Lehrstuhl für Computational Modeling and Simulation ist sowohl im Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie als auch an der Munich School of Engineering angesiedelt. Der Lehr- und Forschungsschwerpunkt liegt auf der computergestützten Entwicklung von Ingenieurprodukten, insbesondere auf der Planung und Realisierung von Konstruktionen mit Hilfe von rechnergestützten Modellierungs- und Simulationswerkzeugen.

Die aktuellen Forschungsarbeiten reichen von der Etablierung von Methoden der Gebäudeinformationsmodellierung über die räumliche Analyse von 3D-Ingenieurmodellen und das computergestützte Lebenszyklusmanagement von Gebäuden bis hin zur Simulation von Bauprozessen und Fußgänger*innendynamik. In allen unseren Projekten arbeiten wir eng mit Industriepartnerunternehmen und Wissenschaftler*innen aus anderen Forschungsdisziplinen zusammen.

 

 

Der Lehrstuhl für Geoinformatik an der TUM ist ein wesentlicher Treiber bei der Entwicklung von Methoden und Modellen für 3D-Geoinformationen. Er verfügt über große Erfahrung und Tradition in der OGC-Standardisierung. Thomas H. Kolbe ist Inhaber des Lehrstuhls für Geoinformatik und Professor. Zudem war er Direktor des Instituts für Geodäsie und Geoinformationswissenschaften und Lehrstuhl für Methoden der Geoinformation an der Technischen Universität Berlin. Kolbe ist Initiator und einer der Hauptarchitekt*innen von CityGML.

 

Der Lehrstuhl für Photogrammetrie und Fernerkundung an der TUM ist bekannt für die Erforschung von Modellen, Algorithmen und Methoden zur Erfassung, Analyse und Fusion von Daten aus städtischen Gebieten.

Entwickelte Ansätze befassen sich mit der Verarbeitungskette, die von der Signalverarbeitung und der präzisen Posenschätzung durch Bildsensoren über die Oberflächenrekonstruktion und Änderungserkennung bis hin zur semantischen Modellierung zur automatisierten Interpretation reicht. Die betrachteten Daten werden von passiven Sensoren im sichtbaren oder thermischen Infrarotbereich und aktiven Sensorsystemen wie LiDAR oder Synthetic Aperture Radar (SAR) erfasst. Der Detaillierungsgrad der Sensoren variiert je nach verwendeter Plattform, die im Weltraum (Satelliten), in der Luft (Flugzeuge, Hubschrauber, UAVs) oder terrestrisch (mobile Kartensysteme) betrieben wird. Anwendungsbeispiele für städtische Bereiche berücksichtigen zum einen die Gebäude (z.B. Gebäuderekonstruktion aus LiDAR oder SAR, Texturierung von Gebäudemodellen mit thermischen Infrarot-Bildfolgen, Anreicherung von Datenbanken durch Fassadeninterpretation, Änderungserkennung von Stadtstrukturen) und zum anderen den Verkehr (z.B. Erkennung von Fahrzeugen aus sichtbaren und Infrarot-Bildfolgen, aus dichten Laserpunktwolken oder aus ultrahochauflösenden SAR-Bildern).

Neben den genannten Anwendungen mit Fokus auf städtische Gebiete erweitern einige Projekte den Arbeitsbereich in Photogrammetrie und Fernerkundung. Anwendungsbeispiele stammen aus der Forst- und Gletscherwissenschaft oder dem Nahbereich, z.B. Poseschätzung von Robotern zur photogrammetrischen Oberflächenrekonstruktion (Automobilindustrie) oder Patient*innenpositionierung für die bildgeführte Therapie (medizinische Anwendung).