Appointment with... Professor Malte Jaensch

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Mit der Interviewreihe „Appointment with…“ stellt die TUM School of Engineering and Design neue Professorinnen und Professoren vor: Im Gespräch mit Prof. Dr. Malte Jaensch, dem Ordinarius des Lehrstuhls für Nachhaltige Mobile Antriebssysteme am Department of Mobility Systems Engineering.

Portraitfoto Prof. Malte Jaensch
Prof. Malte Jaensch ist seit Oktober 2021 Professor für Nachhaltige Mobile Antriebssysteme an der School ED. Bild: Andreas Heddergott / TUM

Malte Jaensch (*1976) ist promovierter und MBA qualifizierter Ingenieur, Unternehmer und Manager. Er studierte Maschinenbau an der TU Braunschweig und schloss 2006 seine Promotion im Bereich Mechatronik am Imperial College London ab. Im Anschluss arbeitete Malte Jaensch als leitender Ingenieur im Bereich elektrische Maschinen bei EVO Electric, einem von ihm mitgegründeten Hi-Tech Start-Up. Parallel erlangte er einen Executive MBA in Technologie und Innnovation von der Imperial College Business School. 2013 kehrte er nach Deutschland zurück, um für Porsche Engineering den Bereich elektrische Antriebe federführend aufzubauen. Zum 1. Oktober 2021 folgte Malte Jaensch dem Ruf an die Technische Universität München (TUM). An seinem Lehrstuhl entwickelt er mit seinem Team Antriebssysteme für zukünftige, nachhaltige Mobilität. Die Forschungsschwerpunkte umfassen die Bereiche elektrische Antriebe, Wasserstoff und E-Fuels, Kolbenmotoren, Brennstoffzellen, Energie & Mobilität.

Interview: Sophia Pritscher

Herr Prof. Jaensch, wie sind Sie zu dem geworden, der Sie sind?

Malte Jaensch: Auf einer metaphysischen Ebene gesehen war es eine Kombination von Zufällen und der Bereitschaft, immer etwas Neues zu machen, womit ich mich vorher kaum bis überhaupt nicht auskannte. Plus eine gewisse Beharrlichkeit und eine Portion Glück.
Ein Glückselement war zum Beispiel, dass ich 2003 für meinen Doktor am Imperial College London gelandet bin. Damals war mir offen gesagt nicht bewusst, welch eine hervorragende Universität das Imperial ist. Das habe ich erst realisiert, als ich vor Ort war. Dass ich dort noch einen Executive Master of Business Administration absolviert habe, ist auch ohne bestimmte Hintergedanken passiert. Ich war einfach neugierig und hatte Lust zu lernen, gerade auch in Bereichen fernab des Ingenieurwesens. Letztlich hat sich alles ausgezahlt, und das meine ich weniger finanziell als vielmehr intellektuell. Durch all die neuen Erfahrungen und Blickwinkel entwickelte ich ein grundlegendes Gespür dafür, wie Kolleg:innen aus anderen Disziplinen Themen sehen.

Ab welchem Zeitpunkt war Ihnen klar, dass Sie doch den akademischen Weg weitergehen?

Letzten Sommer, glaube ich, als ich mich entschieden habe, diesen Job anzunehmen. Ganz unbelastet von diesem Berufsweg bin ich nicht, mein Vater ist Medizinprofessor. Aber es war nie mein Karriereziel, sondern immer nur eine nette Idee. Als ich 2019 die Stellenausschreibung für die TUM Professur gesehen habe, dachte ich mir: „warum nicht?“.
Nun sitze an meinem Lehrstuhl in der Münchner Schragenhofstraße, einer idyllischen Insel im Grünen. Dank der zugesprochenen finanziellen Berufungsmittel kann ich das Institut nach meinen Vorstellungen transformieren. Seit den 30er Jahren lag hier der Fokus auf Verbrennungskraftmaschinen. Aber Diesel und Benzin, das wissen wir alle, müssen schon bald der Vergangenheit angehören. Ich möchte nicht nur inhaltlich neue Wege einschlagen, sondern auch die Räumlichkeiten modernisieren. Ich möchte einen Ort schaffen, wo Zukunft mitgestaltet wird.

Was ist Ihr erstes Forschungsprojekt an der TUM? Woran arbeiten Sie gerade?

Es gibt eine ganze Menge Projekte, die noch unter Leitung meines Vorgängers, Prof. Wachtmeister, angelaufen sind und gewissermaßen zur Ausstattung des Lehrstuhls gehörten, als ich hier ankam – was mich sehr freut. Die Projekte werden v.a. durch meine beiden Oberingenieure betreut und beschäftigen sich exklusiv mit synthetischen Kraftstoffen. Das heißt, mit nicht konventionellen fossilen Treibstoffen, die zwar noch im Bereich der Verbrennungsmotoren angesiedelt sind, aber eine mögliche Weiterentwicklung ergründen. Diese Forschung ist wichtig, denn kurz- und mittelfristig werden Verbrennungsmotoren in einigen Bereichen der Mobilität noch eine Zukunft haben. Abseits von PKWs kann nicht alles sofort auf Elektromobilität umgestellt werden. Schwere LKWs und große Containerschiffe zum Beispiel kommen nicht ohne Verbrennungsmotoren aus. Deren Antrieb aber sollte künftig nicht mit fossilen, sondern mit nachhaltigen Kraftstoffen geschehen. Mit was genau das sein wird, ist im Einzelfall oft noch nicht geklärt und genau das erforschen wir.
Sukzessive werden wir diese Forschung erweitern, sodass es Projekte geben wird innerhalb der drei Standbeine: klassische Verbrenner mit nachhaltigen Kraftstoffen, elektrische Antriebe und Wasserstoff- bzw. Brennstoffzellenmobilität. Die verschiedenen Forschungsrichtungen werden auch dem offenen Titel des Lehrstuhls – nachhaltige mobile Antriebssysteme – gerecht. Den Interpretationsspielraum haben wir uns auf die Fahne geschrieben: Wir wollen offen, unvoreingenommen und mit breitem Ansatz forschen.

Wie sind Sie selbst unterwegs/mobil?

Heute bin ich mit der U-Bahn und zu Fuß zur Arbeit gekommen. Leider habe ich nun Blasen, weil ich neue Schuhe getragen habe – das hätte ich besser gelassen. Zuhause im Schwäbischen, wo ich mit meiner Frau und meinen drei kleinen Kindern wohne, haben wir einen Multivan. Ein elektrisch betriebenes Fahrzeug für den Mobilitätsbedarf einer größeren Familie gab es damals noch nicht. Hier in München freue ich mich immer, wenn ich mit meinem kleinen gelben Sportwagen fahren darf. Ebenfalls ein Verbrenner, muss ich gestehen. Aber auch in diesem Fall war es ein Verfügbarkeitsproblem: Ein Elektrofahrzeug mit den gewünschten Anforderungen und zu dem Preis gab es nicht. Die Notwendigkeit hat hier die Entscheidung diktiert. Es entspricht natürlich nicht dem, woran ich glaube. Daher wird dieses Auto der letzte Verbrenner in meinem Leben sein.

Auf welche Veränderung hoffen Sie in der Zukunft?

Ganz allgemein hoffe ich darauf, dass sich die Gesellschaft wieder mündiger zeigt als in den vergangenen Jahren. Zurück zum hart erarbeiteten, wissenschaftsbegründeten Diskurs! Die Menschheit muss komplexe Themen wieder als solche wahrnehmen und sie mit den Mitteln der Logik und Ratio diskutieren. Und nicht in sieben Wörtern auf Twitter eine Lösung präsentieren. Wir brauchen weniger Emotionalität, weniger Social Media, mehr Nüchternheit und mehr Wissenschaftlichkeit.
Konkret für den Lehrstuhl erhoffe ich mir, dass man bei uns in fünf bis zehn Jahren ein modernes Zentrum für nachhaltige Mobilität vorfindet, was sowohl von außen als auch von innen dem Anspruch des Namens gerecht wird. Ein Ort, an dem zukünftige Mobilität fundiert wissenschaftlich erforscht wird. Eine Arbeit, an der meine Mitarbeiter:innen und ich weiterhin Spaß haben.
Privat – nicht zu vergessen – wünsche ich mir, dass meine Familie gesund bleibt, meine Kinder glücklich aufwachsen und ich selbst in keine Routine verfalle, wo ein Tag dem anderen gleicht. Ich möchte weiterhin dazulernen, neue Sachen entdecken, mich mit neuen Kolleg:innen über frische Themen unterhalten, permanente Herausforderungen und Veränderungen erleben. Ich hoffe darauf, dass es nicht langweilig wird im Leben.